Digitale Infrastruktur von Bündnis 90 / Die Grünen als Rahmen individueller Teilhabe an der Wertkette politischer Arbeit

In diesem Versuch schaue ich mir die digitale Infrastruktur der Partei Bündnis 90 / Die Grünen genauer an. Ich lasse mich dabei von der Frage leiten, inwiefern diese digitale Infrastruktur und die in ihr erkennbar werdenden Prozessideen geeignet sind, einer einzelnen Person einen organisatorischen Rahmen für die eigene politische Arbeit innerhalb der Wertkette politischer Arbeit 1 zu geben und am informationswirtschaftlichen Wertschöpfungsprozess (#IWP) der Demokratie teilzuhaben. Ich erhoffe mir dadurch zweierlei: Erstens will ich mich auf Ideen bringen lassen, was da ist und was ich damit anstellen kann. Zweitens will ich mich versichern, dass in dem Moment, in dem ich Fehlstellen oder Ergänzungsmöglichkeiten beschreiben will, ich mir nicht vorwerfen muss, entsprechend bereits vorhandene Möglichkeiten nicht zu kennen oder übersehen zu haben.

1. Digitale Infrastruktur von Parteien als organisatorischer Rahmen individueller Teilhabe

Politische Arbeit umfasst alle Tätigkeiten, die darauf abzielen,

  1. eine politische Umwelt zu beobachten,
  2. in ihr handelnde Akteure und in der Sache Betroffene zu kennen,
  3. in ihr ablaufende politische Prozesse zu verfolgen,
  4. die Entwicklung zu analysieren,
  5. den Einfluss des Geschehens auf eigene Interessen und Zielvorstellungen zu prognostizieren und
  6. wenn notwendig und möglich Einfluss auf einen solchen politischen Prozess zu nehmen, um eigene Interessen oder Zielvorstellungen zu wahren, durchzusetzen oder insgesamt gesellschaftliche Veränderungen herbeizuführen.

Bei der Beobachtung einer politischen Umwelt muss jeder von uns Informationen über Akteure, Themen und Ereignissen erarbeiten, sammeln und analysieren, für einen Umgang mit der Situation Strategien und Maßnahmen entwickeln und in der Zusammenarbeit mit anderen Informationen hierüber zur Verfügung stellen und verbreiten. Verbreitete Information wird wiederum gesammelt, sortiert, gelesen, dokumentiert, interpretiert und wiederum in Strategie- und Maßnahmenplanung weiter verarbeitet. Politik lässt sich insofern als informationswirtschaftliche Wertschöpfungskette beschreiben und mit ihrer Hilfe Politik als Markt für Informationsgüter und Informationsdienstleistungen. Es stellt sich die Frage, wie ich als Einzelner oder Einzelne an dieser Wertschöpfungskette teilnehmen kann.

Auf der Suche nach einem organisatorischen Rahmen für die eigene politische Arbeit liegt die Vermutung nahe, ihn in einem politischen Verein zu suchen, beispielsweise in einer Partei.

Ich glaube, um die aktuelle Krise der Demokratie zu überwinden es ist nützlich, die Informations- und Deliberationsfunktion politischer Vereine in den Mittelpunkt der Diskussion von zu stellen und ihre Prozessidee(n) und ihre dafür vorgehaltene Infrastruktur darauf zu untersuchen, wie sie für jede und jeden Einzelnen fruchtbar werden.2

Auf der Suche nach einer eigenen aktiven Rolle in der politischen Arbeitswelt – gleichgültig, ob man nur für sich privat, ehrenamtlich oder hauptamtlich in ihr tätig ist – ist es nützlich, sich eine Sache vor Augen zu führen: Wirklich jede und jeder besitzt heute mindestens ein digitales Endgerät, mit dem sich Informationen beschaffen und verarbeiten lassen, und sei es nur das Smartphone. Einfach gesagt haben haben wir heute alle die Voraussetzung zur Teilhabe an politischer Arbeit in der Hosentasche. Die Schwierigkeit besteht darin zu erkennen, wie ich mit meinem Gerät tatsächlich sinnvolle politische Arbeit leisten kann.

Deshalb glaube ich, dass die Frage nahe liegt, in welchem politischen Verein eine gute Versorgung mit Infrastruktur und Prozessideen besteht, von meinem Werkzeug Gebrauch machen zu können, das ich in der Hostentasche mit mir herumtrage oder auf den Küchentisch stellen kann, um meine Ressourcen wie meine Zeit, mein Wissen und meine Arbeitsleistung einbringen zu können. und gilt es neu zu definieren. Entscheidend ist weniger der vermeintliche Gesinnungsunterschied, sondern die Leistungsfähigkeit der zueinander in Konkurrenz stehenden Infrastruktur. Entscheidend, ob man nun Mitglied dieses oder jenes Vereins sein will, wird sein, für einen persönlich produktive Rollen in der Wertkette politischer Arbeit zu finden. Natürlich kommt es auch darauf an, ob man dann in der Infrastruktur Resonanz erlebt. Das hängt ab von den anderen Nutzer*innen und hier spielt dann Gesinnung durchaus eine Rolle. Die Anderen sind gewissermaßen Teil der Infrastruktur.

Wie oft hört man nicht den Satz, Menschen hätten heute „keine Zeit“. Weit gefehlt! „Im Jahr 2024 lag die durchschnittliche Internetnutzungsdauer in Deutschland bei 69,3 Stunden pro Woche. […] Das beliebteste Endgerät zum Surfen im Internet ist dabei das Smartphone.“3 Wie also gewinne ich die Mikroressourcen, die Menschen suchthaft mit Unterhaltungs-Apps verbringen, für eine vergleichsweise ebenso unterhaltsame Einbindung in die Wertkette politischer Arbeit?

Weiter frage ich mich, wo Lücken klaffen zwischen den Anforderungen eines kollaborativen Arbeitsprozesses entlang der Wertkette politischer Arbeit und dieser von einem politischen Verein zur Verfügung gestellten Infrastruktur. Das gestattet es über den Arbeitsprozess nachzudenken, der solchermaßen ausgestattet wird oder eben nicht ausgestattet wird.

Das Ergebnis kann sein, dass ein politischer Verein über eine digitale Infrastruktur verfügt, diese aber entlang der Wertkette politischer Arbeit fragwürdig oder sogar unvollständig ist, um eine beliebig große Anzahl Interessierter beteiligen und ihre Ressourcen für den Prozess nutzen zu können.

Eine erkenntnisleitende Frage ist, welche Möglichkeiten der jeweilige Teil des Prozesses und der entsprechenden Infrastruktur der Nutzer*in bietet, selbst tätig zu werden, die inhärente mögliche Frequenz dieser Nutzung und damit die Möglichkeit zu erhalten, den Prozess allein dadurch selbstverstärkend zu gestalten, dass eine hohe Frequenz an Selbstwirksamkeit, Interaktionserlebnis und Belohnungsgefühl entsteht.

2. Das grüne Netz: 21 Anwendungen in 4 Bereichen

Wer Mitglied von Bündnis 90 / Die Grünen ist, erhält automatisch in Verbindung mit seiner Parteimitgliedschaft Zugang zum „grünen Netz“. Das grüne Netz ist der für die Mitglieder gut sichtbare Teil der digitalen Infrastruktur der Grünen, deren Funktionen jedem Mitglied zur freien Verfügung stehen.

Als „Anwendungen“ werden unter https://netz.gruene.de/de/anwendungen 21 Werkzeuge in den vier Kategorien

  1. „Beteiligung“,
  2. „Digitale Dienste“,
  3. „Kampagnen und Wahlkampf“ und
  4. „Kommunikation und Kollaboration“

angeboten.4

2.1 Beteiligung

Der Funktionsbereich „Beteiligung“ unter https://netz.gruene.de bezieht sich auf die Erarbeitung von Anträgen, auf die Teilnahme an Versammlungen, auf die Stimmabgabe zu Stimmungsbildern und Anträgen und – als Sonderfall der Abstimmung – auf die Wahl von Personen. Unter „Beteiligung“ werden hier also Werkzeuge für kollektive Entscheidungen bereitgestellt, die kollaborativ asynchron vorbereitet und dann in Versammlungen synchron getroffen werden. Beteiligen bedeutet also hier eindeutig mitentscheiden und beinhaltet die Möglichkeit der Mitgestaltung der Formulierung dessen, worüber man entscheidet.

Zur Verfügung stehen „Grüne Umfragen“ für „einfache Umfragen“, „Abstimmungsgrün“ für „digitale Abstimmungen, Redelisten- und Versammlungsorganisation“ und die „Antragsgrün“-Antragsverwaltungswerkzeuge. Letztere existieren in der Variante „BV“ (Bundesverband) und „LV/KV“ (für Landes- und Kreisverbände).

Die Antragsverwaltung dient dem Zweck, Beschlussvorlagen zu erarbeiten. In Vorbereitung einer Versammlung können Interessierte mit Hilfe von Kommentar- und Änderungsvorschlagsfunktionen den Antragstext formulieren, Begründungen hinzufügen und Mitunterzeichner*innen sammeln. Die Sammlung von Mitunterzeichner*innen ist relevant, weil die „Zulassung“ eines Antrags im Vorfeld einer Versammlung auf seine mutmaßliche Relevanz geprüft wird, ob er überhaupt zu einem Teil der Tagesordnung der Versammlung werden soll.

Man kann nun die Frage stellen, wo diese Beteiligung, die aus der Erstellung von Beschlussvorlagen und Abstimmungen in Versammlungen besteht, in der Wertkette politischer Arbeit und im Politikzyklus eingeordnet werden kann. Bezogen auf den Politikzyklus fällt das eindeutig in die Phase der Formulierung von Problemen und der Programmierung möglicher Lösungen. In der Wertkette politischer Arbeit fällt dieser sich in Anträgen zu Versammlungen organisierende Beteiligungsprozess in die Wertschöpfungsstufe der Interpretation und Strategieentwicklung, also in eine bezogen auf die Informationsbeschaffung und -verarbeitung späte und informationell voraussetzungsvolle Phase. Gelangt eine Sache auf eine Tagesordnung, ist im Vorfeld bereits sehr viel politische Arbeit geleistet worden.

Verweile ich gedanklich kurz bei Antragsprozess und Versammlungsorganisation, habe ich mehrere Fragen: Wie oft kommt es überhaupt vor, dass von diesen Werkzeugen anlässlich von Parteitagen Gebrauch gemacht wird? 1, 2, 4 mal im Jahr? Oder öfter? Und wieviele nehmen dann die Rollen tatsächlich wahr? Wer schreibt, kommentiert, unterstützt, widerspricht oder stimmt ab? Wieviele Personen erfahren davon überhaupt, lesen gar selbst nach? Wie funktioniert die Rückbindung an das so Beschlossene? Da auf „grüne Umfragen“ und „Antragsgrün“ per Deeplink verlinkt werden kann, stellt sich auch die Frage, wie stark es Teil des (inner-)parteilichen Alltags ist, damit zu arbeiten, d.h. zum Beispiel in einer (online) geführten Diskussion auf einen in Vorbereitung befindlichen, beschlossenen oder über den Entwurf nicht hinaus gekommenen Antragstext zu verweisen.

Mein Eindruck: Das geschieht sehr selten. Erstaunlich angesichts der Frequenz im Minuten-, ja Sekundenbereich, mit der in Unterhaltungs-Apps gepostet, geshared und geliked wird.

Auffallend auch: Anträge besitzen meines Wissens kein Aktenzeichen5. Unklar ist, wie Anträge archiviert und die Beschlusslage dokumentiert wird. Es scheint ein Button „Antrags- und Beschlusslagenarchiv“ zu fehlen, also ein Verweis auf die Beteiligung im zeitlichen Verlauf. Das überrascht. Es stellt sich die Frage, ob der Antragsprozess überhaupt in eine irgend geartete Veraktung eingeht, die dann für jede und jeden nachlaufend eine wirklich gute Möglichkeit böte, Soll-Ist-Vergleiche zu leisten oder sich bei ähnlich gelagerten oder nachfolgenden Vorgängen auf solche einzelnen Vorgänge per Aktenzeichen beziehen zu können.

Noch eine andere Quelle bietet sich an, die Relevanz der Antragsberatung und der Beschlusslage für den innerparteilichen Diskurs zu beurteilen: Die Mitgliederzeitschriften. Wenn es in der Natur der Antragsberatung und der Beschlussfassung läge, dass darin ständig sehr viele Mitglieder aktiv involviert wären, dann läge nichts näher, als den Stand der Antragsberatung oder die konkrete Wirkung der Beschlussfassung journalistisch in den Mitgliederzeitschriften zu spiegeln und nachzuhalten. Auch hier könnten Aktenzeichen von großem Nutzen sein, eröffneten sie schließlich allen zugriffsberechtigten Mitgliedern unmittelbar die Möglichkeit, sich „die Akte zu ziehen“ und sich in den Vorgang direkt selbst einzulesen.

Um einen Antrag zu erarbeiten oder sich an seiner Hervorbringung zu beteiligen, müssen ein paar Voraussetzungen erfüllt sein. Erstens muss das mitwirkende Individuum Sinn darin sehen und sich etwas davon versprechen. Zweitens muss es wissen, wie es funktioniert.6 Es gibt also in der Wertkette politischer Arbeit den Moment, in dem der Prozess das Antragsverfahren nahe legt. Das Antragsverfahren bildet aber nicht die gesamte Wertkette ab. Ebenso wenig bildet eine auf Versammlungen mit Abstimmungen reduzierte „Beteiligung“ die Wertkette politischer Arbeit ab, zu deren Zweck es den Prozess eines Antragsverfahrens gibt.

Bei diesen Ereignissen und Verfahren geht es zwar um Beteiligung, aber diese Formen der Beteiligung finden nicht jeden Tag, ja nicht einmal jeden Monat statt. Solche Versammlungen sind selten, solche Verfahren aufwendig. Auch ist fraglich, ob und wie die Antragstexte tatsächlich im Diskurs relevant werden, z.B. als Zitat, Mess- oder Bezugspunkt.

2.2 Digitale Dienste

Der zweite Abschnitt nach den Funktionsbereich „Beteiligung“ sind die sogenannten „digitalen Dienste“.

Bei den digitalen Diensten im Grünen Netz geht es darum, öffentliche Reichweite zu erarbeiten. Bereitgestellt werden hier

  • „Green Spider“ (ein Webseiten-Analysewerkzeug, „Deine Webseite […] mit anderen grünen Webseiten“ zu vergleichen, mit dem Ziel „besserer Online-Performance“),
  • ein Logo-Generator,
  • ein QR-Code-Generator,
  • ein Link-Verkürzer und
  • ein Sharepic-Generator.

QR-Codes funktionieren als Touchpoints (bspw. auf Flyern, Aufklebern und Give-Aways). Verkürzte Links und Sharepics braucht man, um in zeichenlimitierten Unterhaltungs-Apps wie bspw. Instagram Reichweite für Landingpages wie bspw. Veranstaltungsankündigungen, digitale Unterschriftenlisten u.ä. zu generieren. Ein Logo-Generator ist nützlich, um für eine Kampagne oder eine Aktion ein wiedererkennbares Signet zu erzeugen, das man bspw. in Flyern, Sharepics, Beiträgen auf der Webseite uvm. Einsetzt.

In der Wertkette politischer Arbeit würde ich diese Funktionen im Bereich der Verbreitung von Information einordnen oder auch in den Bereich der Operation, d.h. in den Bereich der Durchführung einer politischen Aktion, deren Konzept unter anderem darin besteht, ein Medienereignis zu sein, d.h. in einer medial vermittelten Öffentlichkeit statt zu finden. In diesem Fall besteht die politische Arbeit darin, Reichweiter zu generieren, um ein Ereignis zu erzeugen, das seinerseits Reichweite erzeugt, mit dem Ziel, Aufmerksamkeit zu erzeugen.

Diese digitalen Dienste unterstützen meines Erachtens Sekundärprozesse, wie etwa den, eine Webseite als Informations-Infrastruktur bereit zu stellen oder eine Information zum Zwecke ihrer memetischen Verbreitung aufzubereiten. Der Gebrauch dieser Funktionen kann sicherlich dazu beitragen, die Aufmerksamkeit größerer Anzahlen an Personen zu erreichen, jedoch eignet sich nicht der Gebrauch selbst dazu, nennenswert viele Leute in die Wertkette politischer Arbeit zu integrieren. Ziemlich sicher dürften in einem Orts- oder Kreisverband nur die allerwenigsten aktiven Mitglieder regelmäßig von diesen Funktionen Gebrauch machen. Nach meiner Beobachtung kommt es darüber hinaus eher zur Herausbildung einer Art Expertenwesens. Das Wissen, wie diese Werkzeuge verwendet werden, erwerben sich in der Regel nur wenige. Diese wiederum sind in der jeweiligen Gruppe bekannt und übernehmen in der Gruppe die Rolle, diese Funktionen fallweise anzuwenden.

So gesehen könnte man sagen, dass die „digitalen Dienste“ das Tableau der zur Verfügung stehenden sozialen Rollen erweitert. Sie statten Sekundärprozesse der Wertkette politischer Arbeit mit Werkzeugen aus, so wie einst in etwa die Druckerpresse die Produktion von Flugblättern, und schaffen oder erweitern Rollen, wie etwa einst die derjenigen, der die Flugblätter gedruckt haben.

2.3 Kampagnen und Wahlkampf

Der dritte Abschnitt auf der Liste nach den Funktionsbereichen „Beteiligung“ und „digitale Dienste“ ist „Kampagnen und Wahlkampf“.

Auffällig am Bereich „Kampagnen und Wahlkampf“ ist, dass hier gleich auf drei Shop-Systeme verwiesen wird:

  • „Grüner Spreadshirt-Shop“ (Textilien),
  • „Grüner Shop für Freund~innen“ (Plakate, Acessoires und Werbemittel) und
  • „E-Shop für Grüne“ („parteiintern“ für Flyer, Brochüren, Give-Aways).

Daneben:

  • „Grünes Markenportal“ mit gestalterischen Ressourcen u.a. des Kampagnendesigns,
  • „Wahlatlas“ und
  • „B90/Die Grünen App“.

Den gesamten Abschnitt ordne ich in der Wertkette politischer Arbeit dem Bereich „Operation“ zu.

Für den kollaborativen Arbeitsprozess sind vor allem der Wahlatlas und die B90/Die Grünen App interessant. Der Wahlatlas bzw. die App-Funktion „Wahlkampf“ verfolgt die Idee , den Zuschnitt von Wahlkreisen, die dortigen Stimmanteile vorangegangener Wahlen, die Standorte von Plakaten und die Dokumentation von Haustürwahlkampfbesuchen kartografisch darzustellen und für die Planung zu erschließen.

Der Zugriff auf den Wahlatlas ist allerdings Stand 24.04.2025 „aufgrund nicht unerheblicher technischer Probleme […] bis auf Weiteres nicht möglich“. Im übrigen ist die B90/Die Grünen App ein Mashup aus ausgewählten textlichen Inhalten und Verlinkungen, die auch unter https://netz.gruene.de verlinkt sind.

Die Entwicklung und Bereitstellung einer B90/Die Grünen App ist hinsichtlich der massenweisen Verbreitung der Funktionen des Grünen Netzes im Sinne der „mobile first“ Logik überaus sinnvoll. Funktional steckt die App aber in den Kinderschuhen. Es hat den Anschein, als ob Funktionen der Teamorganisation und Mitgliederwerbung vorbereitet worden sind, jedoch sind entsprechende Funktionen versteckt und deaktiviert.

bietet eine wirklich gute Möglichkeit, eine sehr große Anzahl von Personen in einen individuell als sinnvoll und erfüllend erlebten Prozess zu integrieren. Man kann Wahlkampf mit einem Geländespiel vergleichen7. Die in die B90/Die Grünen App integrierte Möglichkeit, im Wahlatlas durch die einzelnen Wahlkampf-Helfenden Haustürbesuche eintragen zu können, ist eine gut funktionierende Gamifizierung dieses Geländespiels. Ich habe es im Bundestagswahlkampf selbst als „Haustürwahlkämpfer“ ausprobiert.

Wohin die Entwicklung geht, zeigen meines Erachtens die Erfolge der Partei Die Linke in Berlin und Leipzig. Der Haustürwahlkampf geht fließend in eine gelingende Form politisch-sozialer Arbeit über, die darin besteht, mit bis dahin Fremden in Beziehung zu treten und das Gespräch über tatsächliche lebensweltliche Fragen und Nöte vor Ort zu eröffnen. Eine App, rückgebunden an ein entsprechendes Constituent Relationship Management (CRM)8, wird die politische Kultur zweifelsohne verändern.

Doch während die Wahlkampf-App der Grünen offensichtlich noch in den Kinderschuhen steckt, zeigt auch der Selbstfindungsprozess der Partei Die Linke nach dem fulminanten Bundestagswahlkampf, dass die hierfür notwendige Prozessidee, Infrastruktur und politische Kultur erst noch in Entwicklung ist.

2.4 Kommunikation und Kollaboration

Der vierte Abschnitt auf der Liste sind nach den Funktionsbereichen „Beteiligung“, „digitale Dienste“ und „Kampagnen und Wahlkampf“ ist „Kommunikation und Kollaboration“.

Der Abschnitt könnte auch mit „Deliberation“ oder „Selbstberatung“ überschrieben sein. Zur Auswahl stehen

  • „Chatbegrünung“ (basierend auf RocketChat),
  • „Forum für grüne Mitglieder“ (basierend auf Discourse),
  • „Meet Grüne“ (ein Server für Videokonferenzen auf der Basis von Jitsi),
  • „Termite“ (ein Werkzeug zur Terminfindung),
  • „Textbegrünung“ (ein Werkzeug zur kollaborativen Textarbeit auf der Basis von Etherpad)
  • „Grüne Wolke“ (auf der Basis von Nextcloud).

Dieser vierte Abschnitt ist aus meiner Sicht der für Parteiarbeit wichtigste Abschnitt, weil er für alle Bereiche der Wertkette politischen Arbeit einsetzbare Funktionen bereit hält. Jede einzelne Anwendung, die hier verlinkt wird, bedarf m.E. einer vertiefenden Diskussion. Das Folgende ist also nur ein Überblick.

2.4.1 Chat und Forum

Ich bin davon überzeugt, dass bis heute auch Mitglieder der Grünen meistens noch immer WhatsApp als Gruppenchat nutzen, auch wenn sich langsam aber sicher die Nutzung von Signal als datensicherer und datenschutzkonformer Alternative verbreitet.9 Die „Chatbegrünung“ ist dann die dritte Messenger-App, die ein Grünen-Mitglied auf dem Smartphone hat. Chatbegrünung funktioniert ähnlich wie WhatsApp und Signal, beruht jedoch auf RocketChat.

RocketChat10 ist eine OpenSource-Software mit heute über 12 Millionen Benutzer*innen weltweit. Die Anwendung ermöglicht eine hochgradig datensichere Kommunikation und zwar auch, weil sie auf organisationseigenen Servern betrieben werden kann. Sie wird deshalb gleichermaßen von staatlichen, zivilgesellschaftlichen und privatwirtschaftlichen Organisationen weltweit eingesetzt. Der Zugang zu Chatbegrünung ist ausschließlich auf Parteimitglieder beschränkt.

Chatbegrünung ermöglicht Privatchats sowie Chats in parteiöffentlichen und geschlossenen Kanälen. Nach dem Login mit den Grüne Netz Zugangsdaten ist es möglich, andere Nutzer und das Kanalverzeichnis zu durchsuchen. Chatbegrünung ist insofern ein Kommunikationsmittel sowohl zwischen Einzelpersonen, als auch für parteiinterne Spezialöffentlichkeiten wie bspw. Arbeitsgruppen. Jedes Mitglied kann Kanäle eröffnen und andere Mitglieder hinzufügen oder selbst Kanälen hinzugefügt werden.

Chatbegrünung ist browserbasiert unter https://chatbegruenung.de erreichbar. Die meisten Nutzer*innen dürften jedoch die Rocket.Chat-App oder die Rocket-Chap-Desktop-Anwendung nutzen.

Parallel zu RocketChat betreiben die Grünen unter https://discourse.netzbegruenung.de/ das „Forum für grüne Mitglieder“. Dieses Diskussionsforum ist bereits länger im Einsatz als Chatbegrünung und basiert auf der Software Discourse. Auch Discourse ist sowohl browserbasiert nutzbar, als auch über Apps für Mobile und Desktop. Es handelt sich um ein klassisches Diskussionsforum, in dem sich Unterforen hierarchisch verschachteln lassen und das eine im Vergleich mit der Chatbegrünung transparente Struktur vorgibt. Sowohl das Discourse-Forum als auch RocketChat sind parteiintern Gegenstand einer kontroversen Diskussion, die ich gerne an anderer Stelle aufarbeiten möchte.

Kurz gesagt: Die Struktur und Moderation beider Foren ist anhaltend unbefriedigend. Mein Eindruck ist, dass sich Rocket.Chat gut für das „kleine Frontgespräch“11 eignet, das Discourse-Forum sich aber aufgrund seiner Grundstruktur und erweiterten Funktionen wesentlich besser zur Umsetzung einer Prozessidee, eine beliebig großen Anzahl von Interessierten wertschöpfend in Wertketten politischer Arbeit entlang von Themen und Arenen zu integrieren. Rocket.Chat eignet sich auch deshalb besser für „das kleine Frontgespräch“, weil sich freier als im Grünen Forum ad hoc abgeschirmte Gruppen bilden lassen, die Software besser für den Gebrauch auf mobilen Endgeräten geeignet ist und eine durch eine wenigstens temporär klare Zielvorstellung zusammengehaltene Gruppe eine gute und klar abgegrenzte Kommunikationsmöglichkeit erhält.

Strategische Fehler12 bei der Einführung des Discourse-Forums und die Bevorzugung von Rocket.Chat spätestens nach einem größeren Streit zwischen prominenten Benutzer*innen haben innerparteilich zur Marginalisierung des Discourse-Forums und zur Stärkung von Rocket.Chat beigetragen. Ob das bezogen auf die Wertkette politischer Arbeit tatsächlich die „bessere“ Infrastruktur ist, bezweifle ich.

Was aber leisten diese beiden Foren mit Blick auf die Wertkette politischer Arbeit überhaupt? Potentiell besteht hier die Möglichkeit, von Ereignissen zu berichten, an anderer Stelle gefundene Berichte zu verbreiten, (Teil-)Foren als Quellen zu beobachten, verfügbar werdendes Material zu dokumentieren oder auf den Ort der Dokumentation systematisch zu verweisen. Auch kommt beiden Foren in gewisser Weise eine Archivfunktion zu, solange sich hier Diskussionen und Verweise auf Materialien recherchieren und nachvollziehen lassen.

Es ist meines Erachtens aber fraglich, ob das Potential dieser Foren innerparteilich tatsächlich verstanden wird. Denn es fehlt meines Erachtens an einer Nutzungskonvention und einer übergeordnet strukturgebenden Ordnung, die einer übergeordneten Prozessidee verpflichtet ist. Diese Foren stehen nicht in einer konzeptionell und strategisch bewußten Beziehung zur Wertkette politischer Arbeit, sondern haben eher den Charakter von Prototypen und Versuchen im Sinne eines (wiederum auch nicht unbedingt falschen) „Einfach-mal-Machens“.

Erkennbar gut eignen sich beide Foren für die Interpretation und die Strategiediskussion.

2.4.2 Nextcloud: Die grüne Wolke

Wirklich interessant ist die „Wolke“, eine von den Grünen eigenständig gehostete #Nextcloud-Instanz. Diese Instanz ist technisch meines Erachtens bemerkenswert, weil es den Grünen hier gelungen ist, für ihre mittlerweile rund 160 Tausend Mitglieder eine voll funktionsfähige Cloud bereitzustellen, einschließlich eines über die Mitgliederverwaltung Sherpa einsteuerbaren Rollen- und Rechtemanagements.

Die Grüne Wolke stellt nicht nur eine von jedem Mitglied wahlweise browserbasiert oder per WebDAV in PCs und Mobile Devices einbindbare Dateiverwaltung bereit, sondern auch die Möglichkeit der Anlage einer beliebigen Anzahl an Kalendern, die kollaborativ gepflegt werden können und dabei per CalDAV sowohl in Personal Information Manager (PIM) wie Outlook oder Thunderbird eingebunden werden können, als auch per ICS-Link in eine Webseite, wie sie bspw. von WordPress ausgeliefert wird.

Für besonders relevant aber halte ich die individuelle und kollaborative Dateiverwaltungsmöglichkeit. Hierdurch besteht die Möglichkeit, in der Wertkette politischer Arbeit einen Ort zur Dokumentation zu haben und diesen Ort mittels der Möglichkeit der Erstellung von Freigabelinks zur Verbreitung zu nutzen, in dem bspw. erarbeitetes Material über Kommunikationskanäle wie etwa Foren, Mailverteiler, Messenger oder über Plattformen wie die des Fediverse verbreitet werden.

Durch die Möglichkeit, bspw. einen arenen- oder themenspezifischen Kalender kollaborativ zu pflegen und dann bspw. in eine Kampagnen-Webseite per ICS-Link einzubinden, eröffnet sich eine sehr gute Möglichkeit, ein wahlweise rein partei- oder allgemein öffentliches Issue und Stakeholder Management zu betreiben, zumindest falls man kollaborativ Termine antizipieren möchte und dann ggf. eben auch informationell vorbereitet und nachhält.

Die Wolke bietet noch andere Funktionen, wie bspw. Kontaktverwaltung, Kanban-Board („Deck“) oder auch Passwortmanagement. Ob die Nextcloud-Kontaktverwaltung zur kollaborativen Verwaltung von Stakeholder-Kontakten genutzt wird oder in welcher Art von Projekten oder Prozessen die Deck-Funktionalität kollaborativ genutzt wird, ist offen. Aus eigener Beobachtung bezweilfe ich, dass angesichts übertriebener Angst vor Datenschutzverletzungen sowie auch mangels einer konzeptionellen Durchdringung die kollaborative Kontaktmanagementverwaltung überhaupt genutzt wird.

2.4.3 Sonstige Funktionen

Das Terminfindungstool „Termite“ bezieht sich aus meiner Sicht allein auf das Auffinden von Versammlungsterminen kleiner Gruppen, die sich für Lagebesprechungen (Wertschöpfungsstufe „Bericht), zur Diskussion (Wertschöpfungsstufe „Interpretation“ und „Strategie“) oder zur „Operation“ zu verbreden. Die Möglichkeit kollaborativer Texterstellung mit Hilfe der Etherpad-Instanz fällt m.E. ebenfalls in den Bereich dieser Wertschöpfungsstufen und dient hier m.E. Kleingruppen.

3. Die apokryphischen Tools jenseits des grünen Netzes

Nachdem ich nun die vier Abschnitte der Anwendungen unter https://netz.gruene.de/de/anwendungen „Beteiligung“, „digitale Dienste“, „Kampagnen und Wahlkampf“ und „Kommunikation und Kollaboration“ durchgegangen bin, schauen wir uns die verborgenen Anwendungen der Grünen an.

Religiöse Schriften, die nicht in den biblischen Kanon aufgenommen worden sind, nennt man Apokryphen, von altgriechisch apokryphos, was deutsch so viel wie ‚verborgen, dunkel‘ heißt . Es gibt Funktionen und Programme bei den Grünen, die nicht in den Kanon unter https://netz.gruene.de/de/anwendungen aufgenommen worden sind. Ich nenne sie daher hier scherzhaft „die apokryphischen Tools“. Nicht von ungefähr, denn es handelt sich doch teils um Heiligtümer wie bspw. die Mitgliederverwaltung.

Zu den apokryphischen Tools der Grünen gehören unter anderem die Mitgliederverwaltung „Sherpa“, die „Verdigado Mailing Lists“ oder auch die Mastodon-Instanz https://gruene.social mit 561 Accounts (Stand 25.04.2025). Daneben bietet die Grünen-nahe Verdigado eG die Bereitstellung und den Support zu einer Reihe von OpenSource-Softwares wie Typo3, WordPress und andere Tools an, die für Gruppen oder Kandidierende relevant sind.13

3.1 Die Mitgliederverwaltung „Sherpa“

Ich halte es für zwingend hier auf die Mitgliederverwaltungssoftware #Sherpa einzugehen. Diese kann mehr, als man meinen könnte. Mit Sherpa kann man nicht nur Mitgliedschaften und Mitgliedsbeiträge verwalten, es beinhaltet auch Funktionen, wie man sie von Constituent Relationship Management Systemen kennt. Dass viele ihrer Funktionen kaum oder gar nicht genutzt werden, hat mit der Unzugänglichkeit der Software, ihrer dürftigen UX und einem Mangel an Schulung ausreichend vieler Nutzer*innen zu tun.

Sherpa bietet die Möglichkeit, auch andere Stakeholder außer Mitgliedern zu verwalten, weil das Programm ganz allgemein als Kontaktverwaltung genutzt wird. Beispielsweise, um Serienbriefe zu erstellen und E-Mail-Verteiler zu verwalten. Für letzteres besteht eine Schnittstelle zur Mailinglisten-Software Sympa. Das Kontaktmanagement beinhaltet auch die Möglichkeit, personenbezogene Ressourcen, Interessen oder Verbindungen zu dokumentieren.

Bemerkenswert ist Sherpa deshalb, weil es im parteiöffentlichen Tableau der Anwendungen meines Erachtens keine andere Anwendung gibt, die für ein kollaboratives Stakeholder Management oder zumindest für ein kollaboratives Constituent Relationship Management geeignet wäre. Da Sherpa jedoch eine Spezialanwendung ist, die nur einem sehr kleinen Kreis an Nutzer*innen zugänglich ist, ist es gänzlich ungeeignet, jedem Mitglied Infrastruktur zu geben, auf eigene Initiative Beziehungen aufzubauen, kollaborativ Mitglieder oder Constituents zu organisieren oder Stakeholder zu pflegen.

Es ist eine Fehleinschätzung zu glauben, solch ein kollaboratives Stakeholder Management sei funktional mit einem Forum oder einem Messenger abzubilden. Es geht ganz klar um die Fähigkeit, akteurbezogen Interessen und Ressourcen zu kennen, wie man sie bspw. im Haustürwahlkampf kennen lernt, und dann anlassbezogen möglichst effizient auf die richtigen Leute zugehen oder die richtigen Leute zusammen bringen zu können. Diese Fähigkeit ist in der Mitgliederschaft vorhanden, bemerkenswerter Weise aber nicht technisch unterstützt.

Deutlich habe ich den Protest aus einem Vorort meiner Stadt im Ohr. Frust darüber, über keine aktuelle Liste der Mitglieder im eigenen Ort zu verfügen. Zweifelsohne beinhaltet die Vorhaltung einer entsprechenden Infrastruktur die Beantwortung naheliegender datenschutzrechtlicher Fragen. Die zu beantworten halte ich aber für vollkommen möglich, wie das online durchsuchbare Mitgliederverzeichnis unter https://netz.gruene.de zeigt, das m.E. funktional hinter den Möglichkeiten zurückfällt.14

Meines Wissens in Java entwickelt, ist Sherpa eine Client-Server-Legacy-Anwendung mit einem organisch gewachsenen Desktop-Client, der auf jedem Betriebssystem lauffähig ist. Weder ist unter interessierten Mitgliedern von Bündnis 90 / Die Grünen so ganz klar, wer diese Software pflegt und entwickelt, noch, wie die Roadmap ihrer weiteren Entwicklung aussieht. Die Schulung neuer Nutzer geschieht rund zwei Mal pro Jahr durch eine einstellige Anzahl erfahrener Administratoren der Software, die wohl selbst auch einen Anteil an der Entwicklung haben.

Wer die Weihe erhalten will, Hand ans Gerät legen zu dürfen, muss eine ordentliche Datenschutzschulung durchlaufen, die ebenso ordentlich dokumentiert wird. Pro Kreisverband sind nach meiner Beobachtung bestenfalls 1 bis 5 Personen mit dieser Software und ihrer Bedienung vertraut. Die Anzahl der Geschulten kumuliert über die Jahre, die Gesamtzahl bleibt aber gering, weil die initialen Kosten hoch und der Anreiz zur Übernahme des Amts gering ist. Da Sherpa zu aller erst der Verwaltung von Mitgliedsgebühren dient, ist es meist mindestens der Schatzmeister oder die Schatzmeisterin, die auch für die Bedienung von Sherpa zuständig ist.

Da Sherpa meines Wissens kaum oder gar nicht auf der Ebene der ca. 1700 Ortsverbände eingesetzt wird, sind die Nutzer*innen auf die rund 440 Kreisverbände und 16 Landesgeschäftsstellen verteilt. Nimmt man an, es gäbe pro Einheit durchschnittlich 4 geschulte Benutzer*innen, so wären dies 1% aller Mitglieder, die Kenntnis von Sherpa haben, mindestens die Hälfte davon aktive Benutzer*innen. Insofern nicht verwunderlich, dass sich in der Partei verblüffend wenige mit dieser Software auskennen. Die Situation begünstigt größere Kreis- und Stadtverbände, die sich hauptamtliches Personal leisten können, das sich über Jahre mit diesem System vertraut zu machen in der Lage ist und benachteiligt kleinere Orts- und Kreisverbände, die nur das allernötigste zu bewerkstelligen versuchen – nämlich die Verwaltung von Mitgliedsgebühren und anderen Zuwendungen.

In der Wertkette politischer Arbeit sind die Mitglieder- und Zuwendungsverwaltung Sekundärprozesse zum Zwecke der ökonomischen Unterhaltung des politischen Vereins und seiner Infrastruktur. Die Möglichkeit, mit Hilfe von Sherpa Kontakte zu verwalten, aus Sherpa heraus Kontakte einzeln oder als Gruppen anzuschreiben und per Serienbrief/E-Mail zu kommunizieren, macht Sherpa zu einem potentiell mächtigen Werkzeug der Verbreitung von Information.

Richtig angewandt spielt Sherpa meines Erachtens auch eine Rolle bei der Informationsbeschaffung. Werden Berichte zu Ereignissen oder die Interpretation einer Lage erforderlich, eröffnet Sherpa die Möglichkeit, Personen (auch Nichtmitglieder) zu identifizieren und zu kontaktieren, die aufgrund ihrer persönlichen oder beruflichen Situation, ihrer Ausbildung, Interessen, Ehrenämtern und/ oder ihrer Betroffenheit wegen Einblick und Zugang haben oder zu einer Sache bekanntermaßen arbeiten. Im Moment der Operation liefert Sherpa Informationen, welche Ressorcen mobilisiert werden können.

Solange solche Funktionen nur einer winzigen Elite an Funktionären vorbehalten oder mittelbar durch persönliche Beziehung zugänglich sind, sind die mit diesem Informationsvorsprung potentiell verbundenen Vorteile der Durchsetzungfähigkeit im innerparteilichen Wettbewerb um individuelle und auch kollektive Handlungsoptionen extrem ungleich verteilt.

3.2 Verdigado Mailing Lists

Der Vollständigkeit halber muss hier auch auf „Verdigado Mailing Lists“ auf der Basis der Software Sympa eingegangen werden. Verdigado stellt als Dienstleistung Instanzen der Mailing-Listen-Software Sympa15 bereit. Auf Sympa können dann Nutzer*innen mit Administrationsrechten beliebigen Dritten Mitbenutzungsrechte einräumen. Neben allen bekannten Funktionen eines solchen Mailing-Listen-Systems ist es einem Kreisverband oder einer Geschäftsstelle auch möglich, solche Mailing-Listen, z.B. den E-Mail-Verteiler einer Arbeitsgruppe, direkt aus Sherpa heraus zu verwalten.

Sympa-Instanzen sind gut für die Wertkette politischer Arbeit geeignet. Sie gestatten es, mit Hilfe von E-mail erarbeitete Information (z.B. Berichte, Interpetrationen/Lageanalysen, Strategieentwürfe uvm.) zu verbreiten. Auch Dokumentation ist in gewisser Weise mit Sympa-Instanzen möglich, denn für jede Mailingliste besteht die Option, eine Archiv-Funktion zu aktivieren, sodass Mailinglisten-Subscriber oder Nutzer*innen mit bestimmten Rechten das Archiv durchsuchen können.

Auch wenn E-Mail technologisch gesehen ein vergleichsweise veraltetes Prinzip ist, der Aspekt der dezentralen Speicherung verbreiteter Information erzeugt Resilienz, weil einmal verbreitete Information in beliebig vielen Kopien verteilt bleibt. Die Schwäche dieser Technologie besteht darin, dass das Informations- bzw. Dokumentenmanagement hier de facto auf Personal Information Management (PIM) Werkzeugen wie MS Outlook, Thunderbird, GoogleMail uva. beruht.

Ich glaube, es ist ein Fehler, dass die Funktionen von Sherpa und Sympa nur sehr wenigen Mitgliedern zugänglich und überhaupt bekannt sind. Man kann die Nutzung eines Werkzeugs nicht delegieren, ohne dadurch die Erfahrung einzubüßen, was mit Hilfe des Werkzeugs möglich ist, mit der Folge, dass die Beratung über den Arbeitsprozess entlang der gesamten Wertkette überwiegend in Unkenntnis der Möglichkeiten geschieht, während Eingeweihte aus Informationsvorsprung Nutzen ziehen werden können.

3.3 Grüne im Fediverse: gruene.social

Nimmt man die Liste unter https://netz.gruene.de/de/anwendungen als den heiligen Kanon digitaler Anwendungen der Grünen, so ist die Mastodon-Instanz https://gruene.social ein weiteres apokryphisches Tool der Grünen. @utzer hat mich darauf hingewiesen, dass diese Instanz gar nicht von den Grünen, sondern von dem die Grünen nahen Verein Netzbegruenung e.V. bereitgestellt wird.16

Ungeachtet der Frage, ob gruene.social nun von der Volksfront Judäa oder der judäischen Volksfront17 bereitgestellt wird, wird Mastodon bekanntermaßen zu großen Teilen von Menschen aus grünennahen sozialen Milieus genutzt. In gewisser Weise halte ich Mastodon funktional für vergleichbar mit Foren wie Discourse oder Rocket.Chat. Nicht umsonst können Discourse-Instanzen im Fediverse föderierbar konfiguriert werden.

Der Unterschied besteht vor allem im Grad der Öffentlichkeit, vor allem im Verzicht oder die anders geartete Kontrolle über die Abgrenzung von Öffentlichkeiten. Chatbegrünung und Grünes Forum sind ausschließlich parteiöffentlich, d.h. der Zugang ist auf Mitglieder der Partei beschränkt und bieten Parteimitgliedern einen von der allgemeinen Öffentlichkeit geschützten Raum. Die strukturellen Schwächen hinsichtlich der Forenstruktur von Mastodon, Chatbegrünung und Grünem Forum ähneln sich jedoch.

Ich denke, dass eine Software wie Mastodon oder andere förderierbare Softwares wie bspw. Friendica u.a. für die Wertkette politischer Arbeit größtmögliches Potential für Bericht, Verbreitung, Auswahl, Dokumentation, Interpretation, Strategie und Operation bieten. Um so mehr reibe ich mir die Augen, dass es nicht Teil des Kanons des Grünen Netzes ist. Auch, weil eine Software wie Mastodon einem politischen Verein wie den Grünen maximale Möglichkeiten eröffnet, auf allen politischen Ebenen, beginnend beim Ortsverein, eine beliebig große Anzahl Interessierter in eine tägliche Interaktion einzubinden, ohne dadurch die Unterhaltungs-Apps von GAMAM/X/TikTok medienwirtschaftlich zu sponsern, dabei aber gleichzeitig und vor allem eine eigene, gegen Manipulation und Desinformation resiliente Struktur deliberativer Öffentlichkeit aufzubauen.18

4. Wissensmanagement

Welche Instruktionen, welche Anleitungen bietet Bündnis 90 / Die Grünen zur Mitwirkung an der Wertkette politischer Arbeit mit Hilfe ihrer digitalen Infrastruktur an? Wo wird die Prozessidee beschrieben, zu deren Unterstützung die digitale Infrastruktur dient?

Tatsächlich beinhaltet das grüne Netz nicht nur die Sektion „Anwendungen“, sondern in der Reihenfolge der Navigation vor den Anwendungen auch die Bereiche „Wissenswerk“19 und „Mitglieder“. Beide Bereiche kann man als Teil des Wissensmanagements der Partei Bündnis 90 / Der Grünen verstehen. Im Wissensmanagement werden Personifizierungsstrategien von Kodifizierungsstrategien unterschieden. Kodifizierungsstrategien verfolgen das Ziel, Wissen zu explizieren und als Dokument oder Datenbank allen jederzeit zugänglich machen. Personifizierungsstrategien versuchen, das Wissen in den Köpfen der Organisationsmitglieder zu belassen und den Zugang zu diesem Wissen zu verbessern, indem man die Mitglieder der Organisation einander zugänglich macht. 20

4.1 Das Wissenswerk: Dokumentierte Wissensinhalte

Unter Wissenswerk findet man nach Gliederung (Bundesverband oder Spezifikation des Landesverbands), Datum und Kategorie sortiert und volltextlich durchsuchbar kurze Wissensartikel, die vermengt sind mit Artikeln aus dem Bereich „Aktuelles“. Auffällig ist, dass es keine zentral und prominent platzierte Anleitung zu geben scheint im Sinne eines „Lies das hier zuerst“. Ich vermisse den Beipackzettel.

Das Wissenswerk erscheint wenig strukturiert. Es existiert kein Inhaltsverzeichnis im klassischen Sinne. Die Inhaltskategorien eignen sich nicht, um eine Reihenfolge zu erkennen, ob und wie das Material zusammengehört oder aufeinander aufbaut. Da die Artikel nach Erstell- oder Aktualisierungsdatum sortieren, folgt die Anordnung der Artikel keiner sich selbst erklärenden Logik.

Man kann nun einwenden, dass jedes Neumitglied bei Eintritt in die Partei per Post zwei Handreichungen erhält: 2022 war dies der „grüne Faden“21 und zusätzlich ein Flyer zum grünen Netz. In Hessen kam in dieser Zeit der „Reader für Neumitglieder. Wegweiser ins Grüne“ 22auf. Wie ich an anderer Stelle noch ausführlicher erörtern möchte, bieten diese Handreichungen zwar einen gewissen Überblick über die Struktur der Partei und über die Funktionen des Grünen Netzes, zeichnen jedoch ebenfalls keine Wege vor, in welche Rollen das neue Mitglied schlüpfen kann, wie sein Beitrag in der Wertkette politischer Arbeit jeweils aussehen wird und wie es im Zusammenhang mit seiner Rolle in der Wertkette politischer Arbeit die jeweiligen Funktionen der digitalen Infrastruktur nutzen kann und sollte.

Eine Beschreibung von Prozess und Rollen fehlt. Eine Einordnung der Funktionen der digitalen Infrastruktur als Werkzeug und Wirkstätte findet nicht statt. Das „Digitale“ wird in den Handreichungen lediglich als solches aufgezählt. Über die Beschreibung von Organigrammen, über die Qualität eines Wegweisers in der Eingangshalle eines verzweigten Gebäudes kommen diese Handreichungen nicht hinaus. Mehr noch: Die Autor*innen sind sich nicht zu Schade, die gesellschaftlich hochproblematischen Unterhaltungs-Apps US-amerikanischer und chinesischer Unternehmen23 als Struktur der eigenen Öffentlichkeit zu propagieren:

„Natürlich sind wir GRÜNEN auch in den sozialen Netzwerken zu finden. Du nutzt Facebook, Instagram, Google+, Twitter, YouTube oder Flickr? In all diesen Netzwerken findest du aktuelle grüne Informationen, auch zu Veranstaltungen und Mitgestaltungsmöglichkeiten“24

4.2 Ansprechbarkeit anderer Mitglieder: Personifiziertes Wissen

Im Bereich „Mitglieder“ besteht die Möglichkeit, nach Mitgliedern zu suchen, wobei eine Suche nach Name, Interesse, Fähigkeit und Gliederung (z.B. Ort, Gliederungsebene) möglich ist.

Auffällig ist auch hier, dass eine initiale Instruktion fehlt. Es gibt keine Erläuterung, warum und zu welchem Zweck man seine Person im Mitgliederbereich beschreiben und für andere Mitglieder auffindbar machen sollte.

Weil die Listung der eigenen Person richtigerweise freiwillig ist und vom Mitglied selbst aktiviert werden muss, wäre eine Instruktion sehr sinnvoll, warum man als Mitglied von der Möglichkeit Gebrauch machen sollte und welchem Zweck dies im Prozess dient. Der Hinweis, dass es sich bei Personifizierung um eine Strategie des Wissensmanagement handelt, ist mein Versuch der Deutung, wofür der Bereich Mitglieder im Grünen Netz nützlich sein kann. Es geht um die Sichtbarkeit und Zugänglichkeit der Anderen und insbesondere Ihrer Wissens- und Kommunikationsressourcen.

Entsprechend unvollständig ist das Verzeichnis. Aus eigener Erfahrung würde ich schätzen, dass weniger als 5% der ca. 160.000 Mitglieder im Bereich „Mitglieder“ anderen Mitgliedern gegenüber parteiöffentlich zu erkennen geben und dort Angaben zu ihren Interessen und zu den von ihnen angebotenen Kommunikationsmöglichkeiten machen. Meines Erachtens ganz einfach deshalb, weil der Sinn der Möglichkeit nicht klar ist.

Dieses instruktionslose Nebeneinander treibt lustige Blüten: Sucht man nach „Schulung“, findet man einen kurzen Artikel des Bundesverbands vom 10. Januar 2025 mit dem Titel „Workshops und Schulungen für die Grüne Arbeit“, um „Strukturen für die politische Arbeit“ zu „professionalisieren“.25 Hintergrund ist, dass der Bundesverband gemeinsam mit den Landesverbänden im Rahmen eines Strukturprozesses Themen und Ziele für das Weiterbildungsprogramm erarbeitet und definiert hat. Vor dem Hintergrund meines Ansatzes, Parteien als Infrastrukturen zur Mitwirkung an der Wertkette politischer Arbeit zu betrachten, ist das Organigramm in diesem Artikel vielsagend. Weiterbildungsthemen beginnen top down mit der Bundesebene. „Social Media“ ist ein regulärer Baustein unter „weitere Angebote“. „Digitale Tools“ wird „auf Anfrage“ angeboten. Der Ansprechpartner für den Weiterbildungsbereich, der im Artikel namentlich und mit E-Mail-Adresse genannt ist, ist selbst nicht im Bereich „Mitglieder“ zu finden, ist also selbst nicht im Sinne einer Personifizierungsstrategie des Wissensmanagements im Grünen Netz auffindbar.

5. Fazit

Bündnis 90 / Die Grünen bieten ihren Mitgliedern eine sehr differenzierte digitale Infrastruktur. Sie ist aber alles andere als selbsterklärend. Auch mangelt es an Anleitung.

Das einzelne Mitglied steht hinsichtlich der ihm möglichen Rollen und Tätigkeiten nicht nur in der Hohlschuld, es sieht sich auch der Herausforderung gegenüber, die verfügbare Infrastruktur und Wissensfragmente für sich sinnvoll zu ordnen und sich in die Nutzung selbstständig autodidaktisch einzuarbeiten.

Die Partei stellt insofern als (digitale) Infrastruktur eine Überforderung dar.

Organisation und Infrastruktur halte ich deshalb nur für bedingt geeignet, kollaborativ mit anderen die politische Umwelt zu beobachten, in ihr handelnde Akteure und in der Sache Betroffene kennen zu lernen, in ihr ablaufende politische Prozesse zu verfolgen, die Entwicklung durch Lektüre und im Gespräch mit anderen zu analysieren, den Einfluss des Geschehens auf eigene Interessen und Zielvorstellungen zu prognostizieren und wenn notwendig und möglich Einfluss auf einen solchen politischen Prozess zu nehmen, um eigene Interessen oder Zielvorstellungen zu wahren, durchzusetzen oder insgesamt gesellschaftliche Veränderungen herbeizuführen.

Die Deutung, ob Organisation und Infrastruktur zu diesen Zwecken geeignet und bestimmt ist und die Anleitung, wie das am besten funktionieren kann und konzeptionell vorgedacht ist, wird selten oder nie zum Thema der Funktionsbereiche oder auch des Wissensmanagement. Angesichts der verfügbaren Handreichungen, die stark auf die Autopoiesis der Partei einschließlich ihres Machterwerbs allein durch Wahlen abhebt, bezweifle ich, dass die Teilhabe des Mitglieds als Ressourcenträger*in und Akteur*in in der Wertkette politischer Arbeit ein relevantes Motiv derer ist, die die Infrastruktur bereitstellen, bewirtschaften und zu ihrer Nutzung anleiten.

Problematisch finde ich, dass die individuelle Arbeitsleistung faktisch nicht Teil eines ausdrücklich beschriebenen Prozesses wird.

Die vom einzelnen Mitglied erarbeitete Information über Akteure, Themen und Ereignisse erhält in der Struktur keinen eindeutigen Ort, kein Aktenzeichen und keine Vorgangsnummer. Diese Informationen werden weder strukturiert gesammelt, noch wird auf sie in Analysen strukturiert verwiesen, etwa durch Hyperlink. Die einzelnen Teilbereiche des Grünen Netzes sind ganz überwiegend nicht hypertextuell verschränkt und wenn, so nur auf Initiative einzelner Benutzer*innen. Auch existiert kein Common Sense, wo und wie entsprechende Informationen zu suchen wären.

Der Diskussionsprozess, für den individuellen und kollektiven Umgang mit Situation Strategien und Maßnahmen zu entwickeln, existieren Veranstaltungsformate territorialer Gliederungseinheiten und territorial differenzierter, themenbezogener Arbeitsgruppen neben einer ins beliebige gehenden Vielzahl von Chaträumen und Internetforen. Das Vorhandensein dieser realweltlichen und digitalen Gruppen und Foren ist für den Einzelnen intransparent. Ob sie untereinander systematisch oder zumindest im Einzelfall absichtlich miteinander verbunden sind, ist unklar.

Hinsichtlich der Idee, in der Zusammenarbeit mit anderen Informationen zu erarbeiten, zur Verfügung stellen und zu verbreiten, ist nur der Aspekt der Verbreitung wirklich klar. Denn es gibt einen überbordend starken Fokus auf das Thema der Verbreitung und öffentlicher Reichweite. Wie aber Inhalte Teil des Diskurs werden, die dann in erratisch auftretenden Antragsprozessen und in der memetischen Aufbereitung Material zur Verbreitung werden, ist nicht ganz klar. Ob und wie verbreitete Information gesammelt, sortiert, gelesen, dokumentiert, interpretiert und wiederum in Strategie- und Maßnahmenplanung weiter verarbeitet wird, ist nicht reflektiert und wird bei der Ausgestaltung und Anleitung der Infrastruktur nicht zum Thema.

Die Frage, ob ich als Einzelner oder Einzelne mit Hilfe der digitalen Infrastruktur von Bündnis 90 / Die Grünen tatsächlich an der Wertkette politischer Arbeit teilnehme, ob also persönlich eingebrachte Arbeitsleistung überhaupt die Chance hat, angesichts der tatsächlichen Existenz oder Inexistenz von Prozessen eine Wirkung zu entfalten, ist unbeantwortet.

Mir drängt sich sehr stark der Eindruck auf, dass über weite Strecken Werkzeuge und Infrastrukturen geschaffen werden, weil man hofft, allein mit der Geste ihrer Bereitstellung bereits alles getan zu haben. Ob das effektiv und für das Indidividuum eine tatsächlich funktionierende Möglichkeit ist, Selbstwirksamkeit zu erfahren, ist offen.

Ich vermute, dass Bündnis 90 / Die Grünen ein politischer Verein sind, der zwar über eine digitale Infrastruktur verfügt, diese aber entlang der Wertkette politischer Arbeit fragwürdig oder sogar unvollständig ist, um eine beliebig große Anzahl Interessierter beteiligen und ihre Ressourcen für den Prozess nutzen zu können.

Es dürfte sich lohnen hinzuschauen, wie ggf. einzelne Ortsverbände, Kreisverbände oder Arbeitsgruppen versuchen, die vorhandene Infrastruktur für ihre Prozesse und zu ihren Zwecken zu interpretieren oder sich ggf. eigene Infrastruktur unabhängig von der parteieigenen Infrastruktur zu schaffen. Das Auseinanderfallen der Partei auf der einen und dem Verein Netzbegrünung e.V. auf der anderen Seite weist in diese Richtung.


1 Siehe Politik als Arbeitsprozess. Teil 1: Mein Platz in der Wertkette, Kapitel 3.1.2 Die Werkette politischer Arbeit. https://plinubius.de/politik-als-arbeitsprozess-teil-1-mein-platz-in-der-wertkette/#__RefHeading___Toc1284_1842757634%20Kopie%201

3 Durchschnittliche Nutzungsdauer des Internets pro Woche in Deutschland in den Jahren 2015 bis 2024 https://de.statista.com/statistik/daten/studie/875957/umfrage/dauer-der-internetnutzung-pro-woche-in-deutschland/, abgerufen am 21.05.2025

4 Stand April 2025

5 Der Gebrauch von Aktenzeichen ist eine heute allgemein jeder und jedem vertraute Arbeitsweise. Keine Onlinebestellung, keine Überweisung, kein behördlicher Vorgang ist heute ohne Aktenzeichen wie beispielsweise eine Kunden- oder Vorgangsnummer. In Unternehmen kommen heute sehr oft sogenannte „Ticketsysteme“ und Dokumentenmanagementsysteme zum Einsatz, bspw. in der Softwarentwicklung, in der Arbeitsorganisation (z.B. als Losnummer), im Kundendienst und so weiter. „Tickets“ sind eine moderne Form digitaler Zuweisung von Aktenzeichen bzw. Vorgangsnummern, Ticketsysteme oder auch Dokumentenmanagementsysteme (die Dokumentnummern erzeugen) moderne Formen der Veraktung. Nichts liegt also näher, als auch in der Wertkette politischer Arbeit nach Aktenzeichen und Vorgangsnummern sowie nach der Infrastruktur der Veraktung wie bspw. Dokumentenmanagementsystemen und Datenbanken Ausschau zu halten. So stellt sich nicht nur die Frage nach Vorgangsnummer und Dokumentenmanagement im Zusammenhang mit der Antragsberatung, sondern darüber hinaus auch hinsichtlich der Vorgangsnummerierung von Sachen, die auf die Tagesordnung jeglicher Gremien gelangen. Vgl. bspw. Bundestagsdrucksachen. Siehe zum Thema Aktenzeichen und Ticketsysteme bei Parteien https://chaos.social/@plinubius/114411865407955201

6 Diesen Punkt gilt es zu berücksichtigen, wenn man sich mit dem „Wissenswerk“ im grünen Netz beschäftigt

8 Siehe hierzu bspw. die weltweit im Einsatz befindliche Freie Open Source Software , siehe https://civicrm.org

9 Grünen-Mitgliedern ist es laut @merlelaperle.bsky.social@bsky.brid.gy wohl möglich, alternativ zu WhatsApp oder Signal auch ThreemaWork zu nutzen. Siehe hierzu den Hinweis von unter https://fed.brid.gy/r/https://bsky.app/profile/did:plc:vqa44z646pmhq7eqdpjzx4r3/post/3lnpbzgbf3k2i und ihre weiteren Ausführungen zum Thema Threema. Diese Möglichkeit ist jedoch Stand 27.04.2025 nicht im Grünen Netz gelistet.

11 Dieser Begriff bezieht sich auf die Fühungsphilosophie des „Führens mit Auftrag“ und ist Teil deren Umsetzung. Im Militär wird mit dem Begriff des „kleinen Frontgesprächs“ die Unterredung im Feld innerhalb des Trupps beschrieben, indem der Trupp ad hoc Lage und Vorgehensweise bespricht. Es steht in der Bundeswehr in direkter Beziehung zum Konzept der „inneren Führung“, „die sich am Leitbild des mitdenkenden und verantwortungsvoll handelnden Staatsbürgers“ orientiert. Siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Innere_F%C3%BChrung

12 Meine Einschätzung in Kurzform: Es fehlte an einer Strategie zur Einführung des Forums, d.h. Ziele und Absichten waren m.E. bei der Einführung nicht ausreichend klar. Entsprechend schwach fiel m.E. die initiale Strukturierung, Moderation und Rückbindung an sonstige Prozesse der Parteiarbeit aus.

14 Mehr dazu im Kapitel „Wissenswerk“

19 Das Wissenswerk ist meines Wissens aus dem Vorläufer namens „Wurzelwerk“ hervorgegangen. Es wäre interessant zu untersuchen, welche Unterschiede es zum ehemaligen Wurzelwerk gibt.

20 Siehe zu Strategien des Wissensmanagements und zur Unterstützung von Wissensnetzwerken: Michael Wesoly: Kriterien für den Einsatz von Wissensmanagementinitiativen zur Bildung und Steuerung intraorganisationaler Netzwerke. Berlin 2001, http://wesoly.de/Deutsch/Files/Wissensnetzwerke.pdf

21 „Grüner Faden“, online allgemein-öffentlich verfügbar u.a. unter https://gruene-coburg.de/wp-content/uploads/2021/07/Gruener-Faden_Wegweiser-fuer-gruene-Mitglieder.pdf, abgerufen am 22.05.2025

22 Siehe „Reader für Neumitglieder. Wegweiser ins Grüne“ von Bündnis 90 / Die Grünen Hessen https://netz.gruene.de/system/files/wissenswerk/2022/08/NMReader_2022.pdf, zugangsbeschränkt für Mitglieder der Partei Bündnis 90 / Die Grünen im grünen Netz